Tierschutz – Mitleid als Triebfeder der Moral

Wir möchten dir versichern, dass wir nichts gegen Tierschutz, bzw. Tierschutzvereine haben, die zu Gunsten der Tier handeln!
Wir selbst haben auch schon als Pflegestelle für Hunde “gearbeitet” und unterstützen den Tierschutz jedes Jahr mit Futterspenden… Wir  möchten mit diesem Beitrag weder einen Tierschutzverein schlecht machen, weshalb hier auch keinerlei reale Namen genannt werden, noch möchten wir jemanden davon abhalten, einen Tierschutzhund zu adoptieren!

Erst vor kurzem konnten wir uns ein sich häufig wiederholendes Beispiel mitverfolgen…

Hund “Timmy”, blind, wird an Familie Müller vermittelt… Alle sind glücklich!
Doch nur wenige Wochen später mussten sich die neuen Besitzer völlig verzweifelt wieder an den Tierschutzverein wenden, von dem sie “Timmy” vermittelt bekommen haben…

Auf Rat dritter Personen, waren sie mit “Timmy” bei einem Augenspezialisten, der ihnen nahelegte, die bereits blinden Augen aufgrund von sehr hohem Augeninnendruck und den damit verbundenen Schmerzen, entfernen zu lassen.
Das war der erste Schock für die Familie, denn die Entfernung der Augen war bis zu diesem Zeitpunkt nie ein Thema gewesen… und der zweite Schock ließ nicht lange auf sich warten… der Augenspezialist klärte sie über die Operation und die damit verbundenen Kosten auf.

Die neuen Besitzer von „Timmy“ wandten sich mit der Bitte um Hilfe an den Tierschutzverein, denn die Kosten für die Operation konnten sie alleine nicht stemmen.
Aber nicht nur die finanzielle Lage belastete Familie Müller zunehmend, sondern auch der Gedanke an einen Hund, ohne Augen, denn schließlich hatte man sich darüber bisher noch keine Gedanken gemacht…

Wenige Tage später konnte man dann den Hilferuf auf der offiziellen Seite des Tierschutzvereins lesen, wo um Spenden für die Operation von “Timmy” gebeten wurde.

Wie kann das sein? … Wie kann das sein, dass die neuen Besitzer von “Timmy” nichts von den eventuellen Kosten, die aufgrund der blinden Augen von “Timmy”, auf sie zukommen könnten, wussten? Schließlich hatte man doch alles von “Timmy” erzählt bekommen… wie er leiden würde, dass seine Welt so dunkel sei, er keine Hoffnung mehr hätte… oder war das vielleicht doch nicht alles, was man hätte über “Timmy” erzählen können, bzw. müssen?? 😮

Ja, selbstverständlich kann es immer und auch völlig unerwartet zu Tierarztrechnungen kommen, weshalb man als Besitzer auch immer ein paar Rücklagen haben sollte.
Aber es ist doch einfach ein „kleiner“ Unterschied, ob Besitzer ein vermeintlich gesundes Tier adoptieren, welches dann in kürzester Zeit nach der Adoption eine teure Behandlung, bzw. Operation benötigt, oder ob Besitzer vor der Adoption schon über eventuell auftretende Kosten aufgeklärt werden.
Einen 4-stelligen Betrag hat nun mal nicht jeder, als Rücklage für die Tierarztrechnungen, auf dem Sparbuch…
Und ja, selbstverständlich könnten Besitzer auch Eigeninitiative zeigen und sich vor der Adoption ausreichend informieren. Aber wie sollen sich Besitzer informieren, wenn sie nicht einmal wissen, über was sie sich alles informieren sollen? Wie sollen sie beispielsweise wissen, dass im schlimmsten Fall die Augen des Hundes operativ entfernt werden müssen, wenn sie diesbezüglich noch nie Erfahrungen gemacht haben?

Ein weiteres Beispiel, welches uns zu diesem Thema inspirierte, ereignete sich vor einigen Monaten…

Ein Tierschutzverein suchte ein Zuhause für „Molly“.
Auch die blinde „Molly“ war laut Beschreibung sehr traurig und verstand die Welt nicht mehr, weil es jetzt alles so dunkel um sie herum war.
Hier wurde allerdings auch angesprochen, dass die Augen von „Molly“ bereits einen zu hohen Augeninnendruck hatten und dahingehend mit Tropfen behandelt wurden.
So weit, so gut… Im nächsten Satz wurde jedoch versichert, dass keine weiteren Kosten für Medikamente auf die Besitzer von „Molly“ zukommen würden, da sie ja bereits gegen den zu hohen Augeninnendruck behandelt wurde.

Wir hinterließen unter „Molly´s“ Beitrag einen Kommentar… zuerst gingen wir auf die Blindheit im Allgemeinen ein, beispielsweise wie wunderbar Hunde im Normalfall mit ihrem Handicap zurechtkommen.
Aber auch das Thema „weitere Kosten“ wollten wir ansprechen… unter anderem, dass der Augeninnendruck nach einmaligem regulieren keine Garantie für einen dauerhaft, sich im Normalbereich befindenden Augeninnendruck, sei, und dass deshalb natürlich eine regelmäßige Kontrolle des Augeninnendrucks nötig wäre, um einen sich wieder erhöhenden Augeninnendruck und die damit verbundenen Schmerzen, schnellstmöglichst feststellen zu können. Diese Untersuchungen alleine, ohne weitere, größere Behandlungen, seien schon weitere Kosten, die unserer Meinung nach  hätten angesprochen werden sollen.
Außerdem sprachen wir einen weiteren Kostenpunkt an, der sich für den Einen oder Anderen im ersten Moment nicht erschließen mag…
Die Anfahrt zum Augenspezialisten – Die Anfahrt zum Augenspezialsten kann weit sein. Wir kennen persönlich viele Besitzer, die für jeden Besuch mehrere 100km bis zu ihrem Augenspezialisten zurücklegen. Somit ist alleine schon der Weg zu weiteren Untersuchungen ein kleiner Kostenpunkt…
Nein, das ist kein Punkt, den ein Tierschutzverein unbedingt ansprechen muss, aber nachdem im Vermittlungstext stand “keine weiteren Kosten für Medikamente”, ergab sich dieser Hinweis von uns, denn falsch konnte er auch nicht sein…

Wir erhielten auf unseren Kommentar erfreulich viele Reaktionen… Wir verstehen, dass das Thema “Tierschutz” für viele ein sehr sensibles Thema ist und rechneten auch mit diversen negativen Kommentaren von Menschen, die unsere gute Absicht hinter unserem Kommentar nicht verstanden… doch es gab ausschließlich positive Kommentare von vielen Menschen, die es gut fanden, dass auch dieser Aspekt von uns angesprochen wurde.

Wir sind uns natürlich völlig darüber im Klaren, dass Tierschutzvereine auf ihre Hunde, bzw. Tiere aufmerksam machen müssen und das Mitleid ein „gutes“ Mittel ist, die Aufmerksamkeit der Leser zu erhalten und dass die vielen Leser wiederum, die benötigten Kommentare, Likes und “Shares” des Beitrags geben. Aber darf dies auf Kosten der zukünftigen Besitzer geschehen? Wir sagen ganz klar: Nein!

Wir möchten hier nochmal darauf hinweisen, dass es natürlich auch Tierschutzvereine gibt, die explizit auf die eventuell hinzukommenden Kosten und Behandlungen hinweisen. Daher richtet sich dieser Text keinesfalls an alle Tierschutzvereine! 🙂

Wie ist deine Meinung dazu? Darf man die eventuellen Kosten, die auf die Besitzer zukommen könnten, verheimlichen, um die Chancen auf Vermittlung zu erhöhen? Oder sollte, bzw. muss so etwas ganz offen auf den Tisch gelegt werden?

(Alle Namen im Text wurden geändert)

16 Kommentare zu „Tierschutz – Mitleid als Triebfeder der Moral

  1. Liebe Mausi, ich hoffe sowas passiert nicht oft! Habe aber auch schon sowas erzählt bekommen. Ich habe zum Glück gute Erfahrungen mit meiner Minska gehabt! Wünsche dir schöne Weihnachten :-*

    1. Hallo Kerstin, danke für deinen Kommentar. Es freut uns, dass bei dir und Minska alles so lief, wie es laufen sollte <3 Frohe Weihnachten

    2. Hallo Mausi! Ich finde Deinen Beitrag so unendlich wichtig, damit das sowieso schon verwirrte Tier auch seinen tatsächlichen Lebensmenschen finden und auch dort bleiben kann!

  2. Ich denke, man darf es nicht verschweige n. Unsere Hündin hätte einen gebrochenen Zeh und eine Blasenentzündung. Das Tierheim hat uns darüber aufgeklärt und wollten die Tierarztkosten noch bezahlen
    Wir haben dies abgelehnt und haben die Kosten und Nachsorge selbst bezahlt.
    Aber das muss man im Vorfeld jedem selbst überlassen.

    1. Danke für deine Meinung <3 Die Vorgehensweise eures Tierheims finden wir sehr lobenswert. Ein gutes Beispiel dafür, dass es auch "richtig" geht! 🙂 Wir schicken euch ganz liebe Grüße <3 <3

  3. Ich bin da völlig eurer Meinung. Die Vereine sollten alles offen legen. Den was nützt es einem Tier, wenn es erst vermittelt wird und dann evtl.wieder zurück gegeben wird, weil die Adoptanten überfordert sind.

    1. Guten Abend Sonja <3 Danke für deine Meinung! Genau der Aspekt (die evtl. Überforderung) spielt, unserer Meinung nach, dabei auch eine große Rolle!
      Liebe Grüße :-*

  4. Auch wenn man sich als zukünftiger Tierbesitzer im Klaren darüber sein muss das unter Umständen auch außerplanmäßige Kosten auf einen zukommen können, sollte bei der Vermittlung doch Ehrlichkeit mit im Spiel sein. So kann man sich noch mit auseinandersetzen und das Für und Wider abwägen. Also meine Meinung, Ehrlichkeit ist ein MUSS.

    1. Hallo Claudia, danke für deinen Kommentar und deine Meinung 🙂 Genau so sehen wir das auch! Wir wünschen dir noch einen schönen zweiten Weihnachtsfeiertag.

  5. Hallo an alle!
    Ich kann mich meinen Vorkommentatoren nur anschließen. Zum Wohle aller Beteiligten müssen im Vorfeld einer “Adoption” alle Fakten und Informationen offen und ehrlich angesprochen werden.
    Erst danach können zukünftigen Herrchen und Frauchen abwägen und eine richtige Entscheidung treffen.
    Ich wünsche noch einen schönen zweiten Weihnachtsfeiertag! ❄
    Viele Grüße
    Sabine

    1. Hallo Sabine, vielen Dank für deinen Kommentar, dem wir nur Voll und Ganz zustimmen können!! 🙂
      Schönen zweiten Weihnachtsfeiertag wünsche wir dir noch :-*

  6. Ich bin der Meinung dass eventuelle Folgekosten auf jeden Fall klar dargelegt werden müssen, auch wenn dadurch der Ein oder Andere “plötzlich” kein Interesse mehr hat. Wem ist denn damit geholfen wenn die Kosten verschwiegen oder verharmlost werden? Richtig, Keinem. Im schlimmsten Fall wird die arme Fellnase zum Wanderpokal, wird ausgesetzt, oder …
    .Man kann doch nur die wirklich passenden Partner zu einer Fellnase finden wenn man in jeder Beziehung Offen und Ehrlich ist.

    1. Hallo Michaela, vielen Dank für deine Meinung! Dein letzer Satz sagt wirklich alles und wir können dir nur 100% zustimmen!! Wir wünschen dir noch einen wundervollen zweiten Weihnachtsfeiertag! <3

  7. Ich finde man muss es vorher sagen, man sollte sich aber auch darüber klar sein, wenn man ein Tier adoptiert, das immer Kosten auf einen zukommen können, auch wenn es vorher gesund war.(Alter, Krankheit oder Unfall )

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