Mausi – die blinde Lebensfreude

Wer ist Mausi??? 
(Dieser Text ist eine Kopie der “Wer ist Mausi” Serie auf Facebook)
Mausi ist am 01.01.2009 auf einem Bauernhof in einem kleinen örtchen nahe München und mit Augenlicht (auf beiden Augen) auf die Welt gekommen.Der Start ins Leben war für Mausi alles andere als leicht und niemand hätte gedacht, dass sie überleben würde… Daher bekam sie den Namen “Sternchen”  verpasst.

Doch Sternchen aka Mausi hatte nicht vor, ohne Kampf aufzugeben! Sie kämpfte und siegte schlussendlich!
Einige Wochen später entdeckten wir, Herrchen und Frauchen, Sternchen aka Mausi im Internet und verliebten uns sofort in den kleinen schwarzen Alien 

Nach einem Telefonat mit den Besitzern von Sternchen aka Mausi und einen Tag später, machten wir, Herrchen, Frauchen und die kleine blonde Prinzessin, welche zu der Zeit selbst gerade einmal 3 Jahre alt war, uns auf den 400km (Einzelstrecke) “weiten” Weg zu Sternchen aka Mausi und ihrer Familie.

Die ersten 2 Monate lebte Mausi alleine bei uns, doch das änderte sich schlagartig.
Denn wir, Herrchen und Frauchen, nahmen ganz zur Freude von Mausi einen weiteren Hund bei uns auf.

“Jill” – Eine 4 Jahre alte Große Schweizer Sennenhündin 
Sie wurde als Welpe mit ihren Geschwistern in einem Müllcontainer entsorgt, kam anschließend zu einer Familie mit Zweithund, wo sie es 1 Jahr eigentlich auch gut hatte… Doch dann musste sie abgeben werden und damit war das sorglose Leben vorbei.
Sie lebte anschließend bei einer “Familie”, die sie als Zuchtmaschine missbrauchten.
“Leben” durfte Jill im Hinterhof in einer Hundehütte, welche im Matsch versank. Ins Haus durfte man nicht, da dort die vielen kleinen Chihuahuas lebten… Die Welpen nahm man ihr immer viel zu früh…

Nachdem wir Jill bei uns aufgenommen haben, durften wir drei wundervolle Jahre mit ihr verbringen, doch dann mussten wir sie gehen lassen… All die Strapazen der Vergangenheit hinterließen ihre Spuren… Ihre ängste konnten wir ihr mit viel Arbeit nehmen, doch vor allem körperlich war sie gekennzeichnet… was zur Folge hatte, dass sie unsere Welt viel zu früh verlassen musste.

Mausi und Jill waren vom ersten Tag an unzertrennlich, genossen jeden Tag den sie miteinander verbringen konnten und jeden Tag, an denen sie zusammen Unsinn anstellen konnten! 
… Wir denken jeden Tag an dich, “Mama Jill” 

Ein Jahr nachdem wir Jill bei uns aufgenommen hatten, trat Mable in unser Leben 
Wir wussten nicht viel über Mable, als wir einwilligten, sie bei uns aufzunehmen. Lediglich, dass sie ca. ein halbes Jahr alt ist und dass es sich um eine Labrador / Appenzeller Sennenhündin handeln sollte…. Und an dieser Stelle darf laut gelacht werden 
Auch Mable hatte bereits zwei Vorbesitzer hinter sich und musste ihr Zuhause aufgrund ihrer nervösen Blase verlassen.

Zwei Jahre später, nach Jill´s Tod, entschieden wir uns dafür, erst einmal eine Zeit zu Viert zu bleiben.
Unsere Arbeit als Dogwalker und Hundebetreuer sorgte aber die darauf folgenden Jahre dafür, dass das Haus nie leer war und Mausi und Mable immer viele Hundekumpels um sich herum hatten  

3 Jahre später (2015) erblindete Mausi dann völlig unerwartet auf ihrem rechten Auge.

Ein Besuch bei einem der besten Augenspezialisten sollte die Ursache der plötzlichen Erblindung klären, doch leider konnte die Ursache zu diesem Zeitpunkt nicht mehr festgestellt werden, da viele Untersuchungen aufgrund der Blindheit nicht mehr möglich waren. So nahm man an, dass die Erblindung die Folge eines unglücklichen Stoßes war.

Bei unserem Termin wurde dann natürlich auch der Augeninnendruck gemessen, welcher im Normalfall bei maximal 22mmHg liegen sollte.
Mausi´s Augeninnendruck betrug jedoch bereits ~60mmHg, was unbeschreibliche Schmerzen zur Folge haben musste.
Schon vor unserem Termin in der Praxis für Augenheilkunde, informierten wir uns über alles, was bei dem Termin hätte heraus kommen können. Wir wollten bestmöglich über jede Vorgehensweise Bescheid wissen und auch über jedes Medikament, bzw. über dessen Auswirkungen auf den Körper.
Nach der Messung des Augeninnendrucks, welcher bei ~60mmHg lag, haben wir uns sofort für die Bulbusexstirpation, also die Entfernung des Auges entschieden!
Eine medikamentöse Behandlung um den Augeninnendruck zu senken, hätte man versuchen können, doch selbst wenn die Behandlung angeschlagen HÄTTE, wäre der gesunkene Augeninnendruck keine Garantie für einen dauerhaft gesenkten Augeninnendruck gewesen.
Das hätte zur Folge haben können, dass man die medikamentöse Behandlung wiederholen hätte müssen, oder gar dauerhaft Medikamente verabreichen hätte müssen.
Aber selbst wenn sich der Augeninnendruck dauerhaft im Normalbereich befunden hätte, hätten wir das Auge mittlerweile entfernen lassen.
Das Auge war durch die Blindheit völlig ungeschützt, wodurch bei jedem Spaziergang eine Verletzungsgefahr bestanden hätte.
Außerdem war es für uns zu keinem Zeitpunk eine Option, das Auge mit Biegen und Brechen aus ästhetischen Gründen, oder Mitleid, “zu behalten”.
Direkt zu Beginn unseres Termins in der Praxis für Augenheilkunde hatten wir unseren Standpunkt klar gemacht, dass für uns keine medikamentöse Behandlung in Frage kommt und dass wir das Auge entfernen lassen möchten, sollte der Augeninnendruck zu hoch sein.
Die Ärztin befürwortete unsere Einstellung, was uns bis heute zeigt, dass wir uns für die richtige Praxis entschieden haben!
Durch die Läufigkeit von Mausi mussten wir den Operationstermin für die Bulbusexstirpation (Entfernung des Auges) auf 4 Wochen nach unserem Termin legen.
Denn ein Hund, welcher während der Läufigkeit operiert wird, verliert mehr Blut, was bei einem kleinen Hund schnell zu Komplikationen führen kann.
Da der Augeninnendruck bei Mausi bei ~60mmHg lag, bekam sie für diese Zeit selbstverständlich Medikamente, damit sie nicht unter dauerhaften Schmerzen leiden musste.

Doch es sollte alles anders kommen…
Nur zwei Wochen nach unserem Termin bildete sich auf Mausi´s Auge ein Loch, welches jeden Moment zu platzen drohte.
Und so wurde unsere Operation zu einer Not-Operation und Mausi wurde gleich am nächsten Morgen nach dem Entstehen des Loches operiert. Natürlich unter dauerhafter Aufsicht, was die vermehrte Blutung anging.
Glücklicherweise hatten wir direkt nach dem ersten Termin ein großes Blutbild und die Herz-Kreislaufuntersuchung (welche unserer Meinung nach sehr wichtig vor einer Operation ist) machen lassen, sodass das Blutbild zu diesem Zeitpunkt schon ausgewertet war und die Ergebnisse der Herz-Kreislaufuntersuchung ebenfalls vorlagen.

Durch die vermehrte Blutung bekam Mausi als Vorsichtsmaßnahme einen extra Druckverband auf die Naht, welcher zwei Tage nach der Operation wieder entfernt wurde.
14 Tage nach der Operation konnten dann alle Fäden gezogen werden und wir verabschiedeten uns mit dem Glauben, uns nie wieder sehen zu müssen – auch wenn wir uns dort sehr gut aufgehoben gefühlt haben.

5 1/2 Monate nach der ersten Bulbusexstirpation (Entfernung des Auges) trat an einem Morgen das ein, womit niemand gerechnet hat…
Auch das linke Auge von Mausi war plötzlich und ohne “Ankündigung” über Nacht erblindet.

Sofort machten wir einen Termin in der Praxis für Augenheilkunde, welcher auch direkt am frühen Abend des gleichen Tages stattfand.
Aber am Mittag desselben Tages – die Überraschung – Mausi konnte wieder sehen 

In der Praxis für Augenheilkunde angekommen, wollte dort niemand (in der Praxis arbeiten lediglich 3 Personen) wahr haben, dass Mausi jetzt auch noch aufgrund des zweiten Auges wiederkommen musste… Währenddessen freute sich Mausi nur unglaublich(!), wieder in der Praxis zu sein! 
An dieser Stelle sollten wir erwähnen, dass Mausi bei all unseren, insgesamt 9 Besuchen in der Praxis, immer der absolute Star in der Praxis war und die Tierarzthelferin, welche am Empfang saß, immer von der Arbeit abhielt, weil diese am liebsten die ganze Zeit Mausi gekrault hätte 
Uuuuund wehe es ging nicht auf die Waage oder direkt ins Behandlungszimmer… da wurde, während sich andere Hunde unterm Stuhl versteckten, oder zurück an die Tür zogen, erst einmal gemeckert und in Richtung Behandlungszimmer gezogen 
Im Behandlungszimmer musste man sie auch immer sofort auf den Behandlungstisch setzen, damit sie sich auch von jedem erneut durchwuscheln lassen konnte und dabei jedem einen Schlabberknutsch aufdrücken konnte 

Gleich zu Beginn unseres Termins hatte unsere Ärztin auch schon einen Verdacht, welcher mit einer passenden Untersuchung auch direkt bestätigt werden konnte.
Es wurden “Bilder” von Mausi´s Tränenkanälen gemacht, welche Aufklärung über die Erblindung des rechten Auges (welches bereits operativ entfernt wurde) und auch über die, wenn auch nur kurzzeitige, Erblindung des linken Auges geben konnten.
Mausi´s Tränenkanäle waren sehr schlecht, bis gar nicht ausgebildet, was zur Folge hatte, dass die Tränenflüssigkeit nicht ordnungsgemäß ablaufen konnte.
Es handelte sich hierbei um einen angeboren Gen-Defekt, welcher nicht unbedingt zwangsläufig zu Problemen führen muss. Es hätte bei Mausi genau so gut nie ein Problem geben müssen, oder es hätte auch nur ein Auge erblinden können.
Aaaaaber Mausi hatte natürlich direkt den Hauptgewinn gezogen 

Da Mausi zu diesem Zeitpunk wieder sehen konnte, versuchten wir natürlich dafür zu Sorgen, dass dies auch so bleibt und hofften mit der richtigen Behandlung dafür zu sorgen, dass weniger Tränenflüssigkeit produziert wird und die so vorhandene Flüssigkeit besser ablaufen kann.
Das jetzt erst die schlimmsten Tage FüR Mausi bevorstanden, ahnte niemand…

Am darauf folgenden Tag wiederholte sich alles genau so, wie am Tag zu vor… Am Morgen blind, am Abend sehend…
Das wiederholte sich auch die darauf folgenden zwei Tage…
Sogenannte “Glaukomanfälle” sorgten immer wieder dafür, dass Mausi eine Zeit lang vollkommen normal sehen konnte und im nächsten Moment vollkommen erblindete.
Die Glaukomanfälle waren rückblickend mit Abstand das schlimmste für Mausi. Zu keinem anderen Zeitpunkt war sie so mitgenommen und sichtlich erschöpft, wie zu dieser Zeit…
Nach dem gefühlt 100. Glaukomanfall blieb sie zwei Tage später und nach einem weiteren Glaukomanfall, schlussendlich vollkommen blind.
10 Tage nach unserem Termin und auf den Tag genau, ein halbes Jahr nach der ersten Bulbusexstirpation (Entfernung des Auges) am rechten Auge, wurde dann auch das linke Auge aufgrund des stetig steigenden Augeninnendrucks entfernt.

14 Tage nach der Operation wurden anschließend die Fäden gezogen… Worüber sich Mausi wieder unheimlich drüber freute – laut Ärztin sei Mausi der erste Hund gewesen, der sich beim Fäden ziehen freute 

4 Kommentare zu „Mausi – die blinde Lebensfreude

  1. Hallo, meine Lieben!
    Ich hätte da eine Frage:
    ich habe ja meine Aska aus dem Tietschutz übernommen, sie ist 10+ Jahre, war schwer traumatisiert. ..hatte ein schlechtes Vorleben und war bereits blind. Wie es zu der Erblindung kam ist nicht bekannt.
    Sie kommt gut damit zurecht und für mich und das Rudel stellt die Erblindung kein Problem dar.
    Die Frage : Wie merkt man, ob der Hund Schmerzen hat aufgrund von einem ev. erhöhten Augendrucks?
    Liebe Grüße,
    Aska & Andrea

    1. Guten Abend Andrea und Aska,
      zuerst einmal freut es uns zu lesen, dass Aska gut mit ihrer Blindheit zurechtkommt! 🙂

      Ein erhöhter Augeninnendruck kann sich auf wirklich viele Arten äußern. Von keinen äußeren Anzeichen, über leicht tränende Augen, bis hin zu absoluter Lustlosigkeit des Hundes, kann alles vertreten sein.
      Leider kann man diesbezüglich immer wieder Beiträge von Besitzern lesen, dass sie einen erhöhten Augeninnendruck, bzw. die damit verbundenen Schmerzen bei ihrem Hund sofort merken würden… jedoch ist das leider oft nicht der Fall. Nicht etwa, weil die Besitzer ihre Hunde nicht kennen, sondern viel mehr, weil nicht jeder Hund diese Schmerzen sichtbar äußert.
      Mausi hatte beispielsweise einen Augeninnendruck von ~60mmHg (normal ist bis 20mmHg) und hat keinerlei Schmerzen gezeigt. Ein Augeninnendruck von ~60mmHg verursacht jedoch unheimliche Schmerzen, die wir uns gar nicht vorstellen möchten 🙁

      Solltet ihr Aska´s Augeninnendruck bisher noch nicht messen lassen haben, können wir euch nur nahe legen, dies nachzuholen. Dafür würden wir euch direkt einen Tierarzt für Augenheilkunde empfehlen. Es gibt zwar auch “normale” Tierärzte, die den Augeninnendruck messen können, sollte es jedoch Probleme mit dem Augeninnendruck geben, ist man bei einem Tierarzt für Augenheilkunde auch direkt “besser” aufgehoben 🙂

      Ganz liebe Grüße <3

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