Türchen Nr. 1

  Türchen Nummer 1 öffnet sich 
Hinter dem heutigen Türchen versteckt sich mein toller Freund, die blinde Taube “Nino” 

“Hi, ich bin der Nino. 
Ich wurde als Jungtier mit ca 5 Wochen Anfang April, völlig hilflos unter einer Berliner Brücke gefunden. Ich bin eine Stadttaube.
Am Anfang kam man wegen meiner ganz normalen Augen nicht darauf, dass ich blind bin. Als es dann feststand, zog ich nach Hamburg zu der ebenfalls blinden Amanda und den Hunden Joy und Lucky und der Sonja.
Ich muss sagen, ich habe mehrfach riesen Glück gehabt. Erstens, dass ich gefunden wurde, zweitens, dass ich leben durfte und drittens ein Zuhause gefunden habe.
Für uns Stadttauben ist das alles nicht selbstverständlich, dabei sind wir heimatlose Haustiere und wurden vom Menschen zu dem gezüchtet, was wir sind. Der Mensch hat uns das ganzjährige Brüten angezüchtet, worunter wir so leiden, denn 90% der Jungtiere sterben, verhungern, verunfallen.
Auf der Strasse wird man nicht alt! Dabei kann ich 15-20 Jahre alt werden.
Wir sind Körnerfresser und keine Allesfresser! Von dem Müll auf der Strasse wird unser Kot dünn, schleimig und wir werden krank – von Körnern wäre der Kot kugelig wie eine Murmel und fest und würde dem Menschen nicht so negativ auffallen.
Warum wir als Krankheitsüberträger immer wieder beschimpft werden, wissen wir auch nicht. Denn wenn wir krank sind, haben wir überwiegend wirtspezifische Krankheiten und können uns nur gegenseitig anstecken, jeder Bushaltegriff oder Geldschein ist für den Menschen gefährlicher.
Wir werden gehasst, dabei sind wir so süss und wir sind auf die Hilfe von Menschen angewiesen, welches Haustier nicht? Schaut mich an, kann man mir widerstehen?
Ich laufe den Tag über in der Wohnung Sonja wie ein Hund hinterher, ärgere Amanda die mit Sonja mehr kuschelt als die Hunde… Die Hunde sind unsere Kumpels und die Sonne genießen wir auch so sehr. Wir beide haben keine Probleme mit dem orientieren, schliesslich haben wir Supernasen und Ohren und der Schnabel dient als Blindenstock, wir spüren die Welt und wir lieben das Leben.
Und ich, ich mache einfach, flattere durch die Wohnung, gerne rückwärts, denn dann stösst nur mein Schwanz irgendwo an, klettern ist super, auf den Hunden reiten, in der Hundewasserschüssel baden auch. Unsinn treiben ist meine Lieblingsschäftigung 
Ich bin der Frechdachschaot 
Einen Traum haben wir Tauben, die heimatlosen Haustiere. Überall betreute Taubenschläge, wo der Kot entsorgt wird, es Futter gibt und die Eier zur Geburtsregulierung ausgetauscht werden.”
(Der Text wurde original übernommen, es wurden keine Korrekturen oder Änderungen vorgenommen.)

Ich bedanke mich herzlichst bei Joy Ried – nicht nur dafür, dass sie den lieben Nino vorgestellt hat, sondern auch dafür, dass sie ein unheimlich wichtiges Thema angesprochen hat!  

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