Diagnose “baldige Blindheit”

Diagnose baldige Blindheit

Die Diagnose “baldige Blindheit” kann Hundehalter stark verunsichern!
Was muss ich beachten? Und was kann ich tun, um meinen Hund zu unterstützen? 

Wenn Hundebesitzer die Diagnose “baldige Blindheit” für ihren geliebten Hund erhalten, sind die Besitzer meist erst einmal verunsichert und wissen nicht genau, was auf sie zukommt oder was sie jetzt am Besten machen sollen, bzw. können.
Da wir diesbezüglich in den letzten Wochen einige E-Mails erhalten haben, haben wir uns dazu entschlossen, diesen Blog-Eintag zu verfassen.
❗ Wichtig – Dieser Blog-Eintrag ersetzt keinesfalls den Besuch beim Tierarzt!

Diagnose “baldige Blindheit”

Das Erste und Wichtigste, was man nach dieser Diagnose tun sollte? Durchatmen!
Wir können verstehen, dass diese Diagnose, gerade für Menschen die sich bis dahin noch nie mit der Materie “blinder Hund” beschäftigt haben, furchteinflößend, frustrierend und/oder absolut unvorstellbar sein kann!
Aber… es geht weiter!

Vor einigen Wochen haben wir eine ganz liebe Nachricht von Susanne auf Instagram erhalten. Wir möchten diese an dieser Stelle, selbstverständlich mit Einwilligung von Susanne, veröffentlichen, da wir ihr in Punkto “auf sich zukommen lassen” völlig recht geben und es zum Thema “baldige Blindheit” gut passt.

Hallo ihr lieben, ich muss mal ein großes Danke an euch und eure Seite los werden. Anfang Dezember bekam ich für meine Maus die Diagnose progressive Rethina Athropie, ganz ganz einfach gesagt Kiri wird die nächsten 0,5 Monate bis 2 Jahre erblinden. Ich bin zwar vom Fach aber habe mich ehrlich gesagt noch nie mit einem Blinden Hund auseinander gesetzt. Schon gar nicht bei jüngeren Hunden. Ich habe für mich beschlossen die ganze Sache auf mich zukommen zu lassen. Weil alles andere macht einen ja auch nur verrückt!
Durch Zufall bin ich auf eure Seite gestoßen und eure Maus macht mir absolut Hoffnung, dass ein Blinder Hund zwar sicherlich irgendwie mehr Aufmerksamkeit braucht, aber keineswegs die Freude am Leben verliert oder nichts mehr machen kann. Das klingt jetzt total doof, aber Kiri und ich lieben es im Sommer wandern zu gehen, dass kann ich mir gerade zukünftig nicht so richtig vorstellen. Aber dann kam das Bild von euch mit blinder Hund schwimmt im See und ich dachte nur so, siehst nix ist unmöglich! vielen Dank für euren Account!
Lg Susanne und Kiri

Nein, es auf sich zukommen zu lassen, bedeutet keinesfalls, dass man rein gar nichts tut! Es bedeutet lediglich, wie Susanne selbst schrieb, dass man sich nicht verrückt machen wird, bzw. lässt!

Denn wenn man beispielsweise einen absoluten Freigeist als Hund hat und sich nach der Diagnose “baldige Blindheit” durch unzählige Online-Berichte durchliest und immer wieder auf Sätze, wie diesen stößt, …

Selbstverständlich müssen auch erblindete Hunde weiterhin ihr tägliches Geschäft verrichten. Hundehalter sollten jedoch darauf achtgeben, dass das Tier während der Spaziergänge an die Leine genommen wird. Auch wenn der Hund dieses vor seiner Erblindung nicht allzu gerne wahrgenommen hat, so wird er sich in seiner jetzigen Situation umso sicherer damit fühlen. Wie ein erblindeter Mensch den Blindenstock benötigt, so braucht der Hund eine führende Hand, die ihn sicher durch die Dunkelheit führt. Dennoch sollten die Ausflüge nicht allzu lange anhalten, denn richtig sicher wird sich das Tier erst wieder in seiner gewohnten Umgebung fühlen..
Quelle: www.artikelmagazin.de

…wird man zwangsläufig verunsichert! Und damit ist weder Halter noch Hund, geholfen!

Eigentlich würden wir derartig stümperhaft recherchierten Texten keinen Platz auf unserem Blog bieten, jedoch ist der oben zitierte Text ein Paradebeispiel für die sich im Internet zu findenden Berichte über blinde Hunde … Wir verbeugen uns jedoch an dieser Stelle und sagen DANKE, dass den blinden Hunden immerhin noch das tägliche Verrichten ihrer Geschäfte zugestanden wird!  🙄

Kommandos

Da, wie bereits geschrieben, “es sich auf  sich zukommen lassen” aber nicht bedeutet, dass es nichts gibt, was man tun sollte, bevor die Blindheit eintritt, möchten wir hier eine kleine Aufzählung von Kommandos auflisten, die nach der Erblindung hilfreich sein können und daher vor der Erblindung geübt werden können.

  • Treppe
    Gerade für kleinere Hunde, die mit Nase und Kopf gegen eine Stufe stoßen können, kann dieses Kommando nützlich sein.
    Aber vor allem für Hunde, die sich nach der Erblindung mit dem Treppen steigen schwer tun, empfiehlt es sich, dieses Kommando zu üben. Natürlich weiß man das nicht vor der Erblindung, aber auch nach der Erblindung kann ein Kommando geübt werden 🙂
    💡 Tipp:
    Bekannte Treppen
    Unbekannte Treppen
  • Langsam
    Ein Kommando, mit welchem der Hund ein langsames Fortbewegen, bzw. Vortasten mit Pfote und/oder Tasthaaren verbindet. Kann beispielsweise auch für Stufen/Treppen genutzt werden.
  • Hund
    Für Hundebegegnungen, damit der Hund seine Haltung einer Hundebegegnung anpassen kann und zum Schutz, damit sich der Hund nicht erschreckt.
  • Kontakt
    Mit diesem Kommando soll der Hund eine Berührung des Menschen in Verbindung bringen. Ein Kommando, welches gerade für sehr schreckhafte Hunde nützlich sein kann. Oder auch für Haushalte mit jüngeren Kindern.
  • Stop
    Das für uns mit Abstand wichtigste Kommando! Dieses Kommando sollte unserer Meinung nach jeder blinde Hund zu 100% beherrschen. Bei diesem Kommando sollte der Hund sofort stehen bleiben und wenn erwünscht, absetzten.

Als Beispiel – Mausi rennt mit ihren Doofohren über die Wiese, genau vor ihr befindet sich ein Baum, die Doofohren rennen natürlich links oder rechts daran vorbei. Mausi steuert hingegen direkt darauf zu. Bis man als Zweibeiner dort ist, um sie daran vorbei zu lotsen, ist es bereits zu spät. Aber mit dem Kommando “Stop” können wir Mausi innerhalb von Sekunden davor warnen, dass sich vor ihr etwas befindet und dass sie deshalb SOFORT stehen zu bleiben hat.

Kommandos wie “Sitz”, Platz” und vor allem”Bleib” sind natürlich auch nicht nutzlos 🙂 Gerade das Kommando “Bleib” kann für das Absetzen am Wegrand, wenn Radfahrer, Jogger oder ähnliches vorbei möchten, vieles erleichtern… genau wie bei sehenden Hunden auch.

Selbstverständlich müssen diese Kommandos nicht so heißen, wie wir sie hier als Beispiel genannt haben!

Was kann man noch tun?

Wenn Hunde erblinden, ist ein Problem oft das Gleiche – sie haben, wie viele Hunde heutzutage, “verlernt”, ihre Nase zu nutzen. Da die Nase, bzw. der Geruchssinn jedoch für einen, vor allem blinden Hund, enorm wichtig ist, sollte gezielte Nasenarbeit zukünftig ein fester Bestandteil des Alltags sein.

An dieser Stelle empfehlen wir unseren [DIY] Schnüffelteppich Beitrag.

Außerdem empfinden wir Gleichgewichtsübungen als sehr nützlich! Das Gleichgewicht kann beispielsweise mit sogenannten “Balance Kissen” oder “Erdnussbällen” trainiert werden.
Aber auch bei fast jedem Spaziergang sind kleinere Gleichgewichtsübungen mit etwas Fantasie gut realisierbar.

Auf die Gleichgewichtsübungen gehen wir in einem unserer kommenden Beiträge noch genauer ein. Selbstverständlich gibt es dort dann auch ein paar tolle Beispiele 🙂
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Mitleid

Eine enorm große Rolle in der Entwicklung des blinden Hundes, bzw. des blind werdenden Hundes, spielt das Mitleid!
Mitleid signalisiert einem Hund, dass etwas nicht stimmt und bestätigt ihn in seiner eventuellen Unsicherheit. Daher sollte im Umgang des blinden Hundes, bzw. des blind werdenden Hundes, unbedingt darauf geachtet werden, kein Mitleid zu empfinden. Natürlich kann kein Mensch seine Gefühle an- und ausschalten… aber jeder Hundehalter sollte auch in der Lage sein, seinen Hund ohne Frust, Mitleid oder Verzweiflung zu führen, was jedoch nicht bedeutet, emotionslos zu sein!

“Mit Tränen lässt sich keine Not stillen”
Russisches Sprichwort

Zu guter letzt…

Bevor man sich jedoch an die “Arbeit” macht, sollten zwei Dinge unbedingt beachtet werden…

  1. Das alles bringt jedoch nicht viel, wenn der Besitzer die Gesamtsituation noch nicht akzeptiert hat. Hunde spüren Mitleid und wissen, dieses auch “aus zu nutzen”!
  2. Ebenso kann man keinen “reibungslosen Ablauf” erwarten, wenn der Hund Schmerzen hat! Daher ist es zwingend notwendig, dass Schmerzen völlig ausgeschlossen sind.

❗ Wichtig: Der Augeninnendruck ist bei vielen Hunden, die Probleme mit den Augen haben, ein wichtiger Punkt. Ein erhöhter Augeninnendruck verursacht dem Hund massive Schmerzen! Diese Schmerzen sind für einen Halter nicht immer “sichtbar”, weshalb die Kontrolle des Augeninnendrucks unbedingt zu empfehlen ist. Sich in solch einer Situation rein auf die Intuition zu verlassen, wäre absolut unverantwortlich.
Die ersten Symptome des erhöhten Augeninnendrucks können völlig unauffällig sein, wodurch ein Halter die Schmerzen des Hundes nicht immer bemerken kann. Das hat aber nichts damit zutun, dass Halter ihre Hunde nicht kennen!
Der Satz: “Wenn mein Hund Schmerzen hätte, würde ich das meinem Hund anmerken! Ich kenne ihn und er ist sowieso sehr sensibel und würde es zeigen.” ist schlicht und einfach falsch und ersetzt keine fachmännische Diagnose!


Wir freuen uns über einen Kommentar von dir, ob du diesen Beitrag hilfreich findest, oder ob dir etwas fehlt! 🙂

18 thoughts on “Diagnose “baldige Blindheit”

  1. Zwar hofft man, dass es einen selbst nicht trifft, aber eure Offenheit und der in den Beiträgen vermittelte Lebensmut würden es auch uns leichter machen. Danke!

    1. Danke für euren Kommentar, Ria und Rambo! ❤ Auch wir hätten vor Mausi nie gedacht, uns irgendwann einmal mit dem Thema “Blinder Hund” auseinander setzten zu müssen. Und dann ging es von heute auf morgen… daher freuen wir uns immer wieder sehr, wenn auch Halter von nicht blinden Hunden unsere Beiträge lesen! *schlabberknutsch*

  2. Habe euren Beitrag gerade über Facebook an die Hand gegeben bekommen. Unser Mikey ist nicht blind, aber er wird gerade im Moment an den Augen operiert und bekommt dabei beidseitig eine Nickhautschürze und ist somit dann vorübergehend auch blind….. mache mir große Sorgen, wie wir die Zeit überstehen sollen, aber ihr habt mir gerade schon einen großen Teil davon genommen. Ich hoffe, ich kann eure Tips gut umsetzen, damit unser Mikey und wir auch gut durch die Zeit kommen. Vielen Dank!

    1. Hallo Zweibeiner und Mikey, entschuldigt unsere etwas spätere Antwort!
      Wir drücken euch alle Daumen und Pfötchen, dass ihr gut durch die “dunkle” Zeit kommt! Wir würden uns sehr freuen, noch einmal von euch zu hören, wie alles verlaufen ist!
      Sollte es noch Fragen geben, könnt ich euch auch jederzeit an uns wenden! Wir versuchen immer mit Rat und Tat zur Seite zu stehen!
      Alles Gute euch ❤❤❤

  3. Vielen Dank für die Worte bei unserem Piraten bubi wurde das Auge nach 2 Jahren entfernt es gab nur noch Probleme und wir hatten uns dazu entschieden das du beenden mit Ruhe und Planung und genügend Zeit zur Kontrolle und Heilung. Meine Meinung wir hätten es viel früher machen sollen als die 2 Jahre der Schmerzen und unendlichen Gabe von augentropfen (8x am tag) wir hätten nicht gedacht das es alles so reibungslos läuft mit 10 Jahren und einem herzfehler war er immer ein kritischer Patient aber er hüpft und genießt das Leben wie noch nie seitdem der störenfried entfernt wurde… Ich lese gerne eure Beiträge und finde eure Aussagen super vielen dank…

    1. Guten Abend Isabella, vielen Dank für deinen ehrlichen Kommentar!! ❤❤ Es freut uns, dass es ihm mittlerweile so gut geht!
      Wir wünschen euch alles Gute!!

  4. Ich bin so froh Mausi und Euch gefunden zu haben.
    Das macht mir Mut und gibt mir und somit auch unserer Toffi die jetzt komplett blind geworden ist Zuversicht.
    Toffi trägt übrigens eine Blindenplakette am Geschirr, ist wirklich sehr hilfreich.
    Liebe Grüße aus Hamburg

    1. Hallo Alexandra und vielen Dank für deinen lieben Kommentar ❤
      Es freut uns, dass wir dir ein wenig Mut spenden konnten 🙂

      Wir wünschen euch alles Gute ❤ Wenn du mal zufällig bei uns auf Facebook oder Instagram unterwegs bist, würden wir uns über ein Foto von Toffi mit seinem Geschirr samt Blindenplakette sehr freuen ❤❤❤

  5. Hej Hej
    Ich bin durch euch selbst (Instagram) auf eure Seite gestoßen und musste mich hier gleich mal ein wenig durchlesen.
    Djina, unsere Mixhündin, bekam vor vier (!) Jahren die Diagnose Keratitis, das wiederum wird zu einer Erblindung beider Augen führen. Leider gibt es keine Möglichkeit einer Operation und sie wird nur mit Optimmune behandelt.
    Es war ein Riesenschock als ich eines Tages den kirschroten Fleck in ihrem Auge entdeckte, die Diagnose dann der zweite Schock!
    Die Krankheit schreitet durch die Salbe, Gottseidank, nur sehr langsam voran und wir haben tatsächlich die Hoffnung, dass sie nie vollständig erblinden wird. Sie wird dieses Jahr acht Jahre und lebt nun schon ihr halbes Leben damit. Ihr Sichtfeld ist etwas eingeschränkt und das war anfangs das größere Problem, da sie recht zickig auf alles was schräg von hinten kam reagiert hat.

    Wir leben jetzt seit zwei Jahren in Schweden und sind fast täglich im Wald und wir bemerken weiterhin keine Zunahme der Sehschwäche und hoffen das bleibt noch lange so. Wissen kann man nie, aber auch wir lassen das auf uns zukommen und machen uns nicht verrückt

    Liebe Grüße
    Beate, Djina und die Salukis

  6. Heya!

    Danke für diesen Text!

    Ich bin selber TFA und habe einen 9 Jahre alten Cattle, der nur noch ein Auge hat und an dem hagelt es noch dazu eine Diagnose nach der anderen… im Moment hat er eine saftige Uveitis nach der nächsten und naja… wir bereiten uns tatsächlich darauf vor, dass er das 2. Auge auch noch verliert… nur hoffentlich mit weniger Schmerzen verbunden als das erste! (Glaukom – und ja! die Schmerzen kommen schleichend und man merkt erst, wie stark sie waren, wenn sie endlich weg sind!)

    Naja, wir wussten schon immer, dass er möglicherweise blind werden würde… als er mit 7 Monaten zu uns kam, war er auf Grund von Katarakt schon fast blind, wurde operiert und vor 2 Jahren gings dann langsam wieder bergab… Am Ende des Tages kriegen wir das schon irgendwie hin! Was bleibt uns auch anderes übrig? und er ist echt ein harter Knochen! der packt das!

    Allerdings bin ich selbstständig mit einer kleinen Hundepension hier im Haus, das heißt jeden Tag andere Hunde um ihn herum… das wird noch spannend 😉 und 2 kleine Kinder (2 und 4 Jahre alt) die sich täglcih im ganzen Haus ausbreiten und überall alles stehen und liegen lassen… und wenn man dann liest: am Besten keine Veränderung! bloß immer aufräumen! Alles muss vorhersehbar sein… jeder Schritt muss überwacht werden… tja nun… dann wird mir schon ein bisschen mulmig! wie soll das gehen?

    Aber wie schon gesagt, wir werden das schon wuppen! Der Finnebub hat Spaß am Leben und das wird auch hinterher noch so sein 😀 Also immer positiv denken, sich einlesen, verschiedene Hilfsmittel und Kommandos jetzt schon in den Alltag integrieren und dann einfach abwarten und Tee trinken… mal schauen, was tatsächlcih eintrifft und was nicht… und dann wird Stück für Stück angepasst…

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