Hilfsmittel Glöckchen?

Das Glöckchen – Ein hilfreiches Hilfsmittel für blinde Hunde?
Immer wieder werden wir gefragt: “Was haltet ihr eigentlich von einem Glöckchen?” und immer wieder lesen wir das Glöckchen, als ultimativen Tipp zur Orientierung blinder Hunde, auch von Hundehaltern, die keinerlei Erfahrungen mit blinden Hunden haben.
Wie kommt das? Unserer Meinung nach spielt die Vermenschlichung des Hundes hierbei eine große Rolle.
Natürlich möchten Halter nur das Beste für ihre Vierbeiner und sie möchten, dass ihre Hund bestmöglich und schnellstmöglich mit der Blindheit zurecht kommen. Jedoch sollte man sich ab und an fragen: “Mach ich das für mich, oder für meinen Hund?”

Zurück zur eigentlichen Frage…

Was halten wir von dem Hilfsmittel “Glöckchen”?

Wie man dem bisherigen Text mit Sicherheit schon entnehmen konnte, sind wir persönlich keine Freunde des Glöckchens!
Wieso wir das nicht sind? Vorweg – jeder soll als Hilfsmittel nutzen, was er für sich und seinen Hund für richtig empfindet und wir möchten gewiss niemanden mit diesem Beitrag überzeugen. Wir möchten lediglich auf eine oft gestellte Frage antworten und unsere Ansicht zu diesem Thema schildern.

Ein Hilfsmittel, welches eine derartige “Abhängigkeit” wie es das Glöckchen schafft, kann unserer Meinung nach kein effektives Hilfsmittel sein.
Davon abgesehen, dass wir uns beim besten Willen nicht vorstellen können, dass das penetrante Gebimmel des Glöckchens für die sensiblen Hundeohren auf Dauer sehr angenehm ist, schafft das “Hilfsmittel Glöckchen” eine “Distanz” zwischen Hund und Halter, während es eine “Bindung” zwischen Hund und Glöckchen schafft, was in einer Zeit, wo eine intakte Beziehung zwischen Halter und Hund das A und O ist, nicht hilfreich sein kann.

Der Gedanke hinter dem “Hilfsmittel Glöckchen” ist, dass der Hund lernt, auf das Glöckchen zu hören, zu reagieren und zu achten. Aber wäre es nicht viel effektiver, wenn der blinde Hund, genau wie auch sehende Hunde lernt, sich an seinem Menschen und dessen Geräuschen zu orientieren?
Wieso sollte es einem, unserer Meinung nach sehr penetrantem Geräusch bedürfen, wo wir Besitzer doch bei jedem Schritt den wir tun, für den Hund hörbare Geräusche abgeben? Wieso sollte der Hund nicht lernen, diesen “natürlichen” Geräuschen und somit seinem Besitzer zu folgen und zu vertrauen?

Wir Menschen schließen unsere Augen und stellen uns vor, wie es wäre, völlig blind zu folgen? Doch wir vergessen dabei, dass der Hunde nicht nur um einiges besser hören kann als wir Menschen, sondern auch, dass Hunde Vibrationen von Schritten beispielsweise über ihre Pfoten und Vibrissen (Tasthaare) wahrnehmen können.

Wie ist deine Meinung zum Thema “Glöckchen als Hilfsmittel zur Orientierung für blinde Hunde”? Teil es uns doch gerne in den Kommentaren mit!

28 thoughts on “Hilfsmittel Glöckchen?

  1. Ich denke, wie ihr auch schon schreibt, soll es jeder für sich ausprobieren was das richtige ist. Rocky sieht zum Beispiel im Dunkeln oder im Nebel schlechter. Für ihn ist dann die Leine ein wichtiger Halt. Er bewegt sich dann sicherer und weniger ängstlich als ohne und natürlich meine Stimme an der er sich orientieren kann. Wenn er irgendwann mal ganz blind ist, werden wir das auch geregelt bekommen, Hauptsache er ist froh und glücklich.

  2. Danke für euren Bericht! Jetzt sehen wir als Nichtwissende das Glöckchen doch mit einem anderen Blick, wobei wir das bisher für eine gute Möglichkeit hielten! Prima Denkanstoss von euch! Lieber Gruss Tina und Vierbeiner

  3. Ich finde alleine schon die Frage lustig (und ich habe ernsthaft schallend gelacht). Denn ich würde mal vermuten das ein blinder Hund samt Glöckchen noch mehr eingeschränkt wird, durch das Gebimmel. Hilfreich ist doch so ein Glöckchen nur wenn der Halter blind ist und nicht der Hund!

    1. Hallo Klara, ein blinder Hund kann sich durchaus “sehr gut” an einem Glöckchen orientieren. Doch schafft es, unserer Meinung nach wie gesagt eine zu große Abhängigkeit und der Besitzer wird eher zur Nebenrolle. Liebe Grüße

  4. Hihih, ich dachte mir schon, dass ihr genau das schreibt.
    Der Hund kann uns doch immer hören und riechen. und spüren …
    So schön, dass ihr solche Themen ansprecht.
    Liebe Grüße

  5. Ich bin persönlich halte nichts von dem Glöckchen , ich denke das würde eventuell den Hund sehr stören . Wenn ich als Mensch blind wäre , ständig das Gebimmel im Ohr , nein das würde mich wahrscheinlich in den Wahnsinn treiben . Liebe Grüße Sandra und Kimi

    1. Abend Kimi und Sandra 🙂 Wir möchten uns ehrlich gesagt auch nicht vorstellen, wie es sein muss, das Gebimmel den ganzen Tag ertragen zu müssen… vorallem wenn man bedenkt, dass auch immer wieder empfohlen wird, alle Menschen und Tiere im Haushalt mit Glöckchen zu versehen… Also wer da nicht kirre wird *hihi*

  6. Ich bin persönlich halte nichts von dem Glöckchen , ich denke das würde eventuell den Hund sehr stören . Wenn ich als Mensch blind wäre , ständig das Gebimmel im Ohr , nein das würde mich wahrscheinlich in den Wahnsinn treiben . Liebe Grüße Sandra und Kimi

  7. Ich habe früher auch gedacht, dass ein Glöckchen hilfreich sein kann. Aber Ihr Zweibeiner und Mausi seid echte Profis und es ist natürlich viel besser, denke ich, wenn Mausi auf Eure Stimmen und Zeichen vertrauen kann. Ihr macht das so toll!!!

  8. Wie ihr sagt, jeder solle es für sich entscheiden. Ich bin aber genau Eurer Meinung. Das Gehör sollte in den Mittelpunkt gestellt werden. Blinde Menschen erleben und erfahren ihre Umwelt anhand von Gehör und Tastsinn. Es käme wohl niemand auf die Idee einem blibden Menschen Glöckchen umzuhängen. Weshalb dann einem blinden Tier? Hören und Fühlen ist wichtiger.

    1. Hallo Helga, danke für deinen Kommentar!
      Das Glöckchen am Mensch wird von vielen als “nützlich” für den Hund empfunden, um den Menschen beispielsweise “besser” zu finden. Wir hingegen setzen stattdessen lieber gezielt unsere Stimme ein.

      Liebe Grüße : )

  9. Als ich letzte Woche meinen HUND (Linkes Auge grauer Star, rechtes plötzlich auftretendes Glaukom) erblindet aus der Tierklinik abholen musste, war deren einziger Rat: Binden sie sich ein Glöckchen ans Bein damit der Hund sie hört…. Meine Tierärztin, der ich das erzählt habe, schlug die Hände über den Kopf zusammen…. Es gibt genug an uns woran an Hund sich orientieren kann, leicht klappernde Halskette oder den Schlüssel in der Tasche….

    1. Hallo Sina, danke für deine Erfahrung! Ganz genau so sehen wir es auch! Und sollte es mal Unterstützung benötigen, haben wir Menschen ja auch noch eine Stimme um den Hund zu leiten! 😉

  10. Denke auch dass es jeder auf seine eigenen Bedürfnisse klären muss. Als idee vl ganz gut. So wie ich Mausi aus dem Chat kennengelernt habe brauch sie es eher net. Sie orientiert sich mit Geruch und hören an ihrer Umwelt. Ausserdem hat Mausi die besten 2 beiner im Hintergrund die man jemals haben kann. Mehr geht ja meiner Meinung nach nicht. Diese tolle Hunde-Mensch-bindung ist mega vorbildlich.

  11. Ich halte ein Glöckchen auch für unnötig, eher nervend.Wir Menschen machen doch genügend Geräusche an denen sich der Hund dann orientieren kann.

  12. Meine Mila ist seit 4 Monaten blind und wir sind das Ober-Expertenteam in Sachen Glöckchen:

    Bälle? Immer rein mit den Glocken!
    Meine Ballspielzeuge stopfe ich voller Glöckchen, wenn es heißt: Renn, was das Zeug hält um den Ball zu fangen!!! Dann brauchen wir Permaklingeltöne, die Ihr bei Hochgeschwindigkeit ständig den Ort des Balls signalisieren. (Hier verwende ich sehr kleine Glöckchen).

    Leine? Auf die Dosis kommt es an!
    Zur Orientierung ist eine sogenannte Bärenglocke an jeder meiner Leinen: Der Trick ist doch, das ihr das Geläut flexibel einsetzt. Die Glocke ist immer in meiner Handnähe, so dass ich sie durch Umgreifen stillstellen kann. Ich kann sie nur kurz klingeln lassen, länger, oder halt gar nicht. Und sie hilft mir bei meine Geräuschkulisse zu erhöhen und ihr so stärker zu signalisieren, wo ich grad stehe.
    Wichtig: Grade bei Wind – wenn mein Körperduft nicht wahrgenommen wird und Windgeräusche die Ohrensuche nach mir erschwert, hat meine Bärenglocke den richtigen Ton, um ihr den Weg zu mir zu weisen.

    Glocken sind toll und sinnvoll.
    Sie unterstützen uns beim Signalgeben.
    Das ist ja auch der Sinn von Glocken.

    1. Hallo Harald und Mila, vielen Dank für deine Meinung!
      Wie geschrieben, wollen wir auch niemanden versuchen zu überzeugen o.ä., wir schildern hier lediglich unsere Ansicht.

      Wenn der Wind die Ortung von uns erschwert, nutzen wir, wenn es einmal nötig ist, statt einem Glöckchen unsere Stimme oder ein einfaches klopfen auf den Oberschenkel, um Mausi zu “unterstützen”. Die Gründe hierfür haben wir ja bereits im Text geschildert.
      Außerdem “erwarten” wir in solchen Situationen, die ja eher selten vorkommen, dass Mausi sich konzentriert und ihre Sinne “richtig” und gezielt nutzt. Das hat Anfangs, kurz nach der Erblindung, eine gewisse Übung benötigt, heute ist es jedoch für Mausi selbstverständlich und ein Klacks, was uns in unserer Vorgehensweise bestätigt.

      Wir persönlich können nicht verstehen, wieso Mausi dem Glöckchen statt unserer Stimme und/oder unserem Geruch folgen sollte… aber das muss und soll jeder für sich entscheiden! Schlussendlich geht es nur um den Vierbeiner und dessen Wohl!

      Ganz liebe Grüße! : )

  13. Wir zwei benutzen auch keine Glöckchen 🙂
    Zum einen mag mein Frauchen persönlich nicht soooo gerne Hilfsmittel, die körperfremd sind. An die Dinger muss man ja dann denken, wenn man los will und Frauchen kann ein echter Schussel sein.
    Alles was der Körper hergibt ist ihr viel lieber und hat man auch immer dabei 😉
    Zum anderen habe wir neben einem ganz klaren “Steh”-Kommando, falls ich versuche meine Nase wieder als Stopper zu benutzen, einen gemeinsamen “Sing-Sang” (leise schnalzen, verschiedene Flötenrhythmen, …) eigentlich sogar mehr “aus Versehen” über die Jahre entwickelt. So schlängle ich mich nachts dann auch durch das enge Kölle mit Fahrradständern, Pollern und immer anders parkenden Autos und Frauchen gibt mir Zeichen, wenn ich mehr links oder so muss.
    Ich mache nämlich immer alles im Galopp und Frauchen kriegt da so manches mal Schnappatmung 😉
    Sarah und Izzy

    1. Hallo Lizzy und Sarah, vielen Dank für euren tollen Kommentar! : )
      Wir können uns Voll und Ganz mit eurem Kommentar identifizieren! Vor allem was dein Frauchen und die Schusseligkeit angeht *haha*
      Wenn wir euren Kommentar so lesen… ihr scheint einen wunderbaren und super funktionierenden Weg, auch ohne Hilfsmittel gefunden zu haben! Toll! < 3 Liebe Grüße : )

  14. Ich muss sagen dass mein Karli noch nie ein Hilfsmittel gebraucht hat. Er ist jetzt ca. 4 Jahre und kam aus der Tötung vor 1.5 Jahen zu uns. Er hatte vorher kurz eine tolle Pflegestelle schon in Ö. Aber vom ersten Tag an hat er sich super durchs Leben getastet und gerochen. Am Anfang hat er sich leider 2x eine Kralle abgestossen weil er zu schnel unterwegs war. Aber jetzt ist er im Haus in seinem Revier. Auch draussen läuft er teilweise ohne Leine. Manchmal tippe ich mit dem Fuss auf wenn wir irgendwo noch nie waren. So weis er immer wo wir sind. Es ist sozusagen unser Codewort. Er ist so toll und dankbar. Kann aber auch ein ganz schöner Lauser sein.

    1. Hallo Priska und Karli, das hört sich toll an! : )
      Na es wäre ja auch langweilig wenn nicht wenigstens ein klein wenig “Lauser” in unseren Vierbeinern stecken würde *hihi*
      Danke für deinen Kommentar! < 3

  15. Ich freue mich für jeden Erfolg, den wir mit unseren blinden Freunden haben – mit und ohne Glöckchen.

    Toll, dass wir uns hier so gut darüber austauschen können.

    Wenn hier einer aus Hattingen oder Witten kommt und irgendwann mal eine Runde mit uns drehen möchte… einfach mailen: leonidas112@web.de

    Gruß

    Harry

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